Apple prüft Watch ohne Display – Wearables sollen KI-zentrierter werden

Apple prüft neue Wearable-Konzepte ohne Display. Was der Schritt für KI, Gesundheit und die Zukunft der Watch bedeutet.

Fotorealistisches Wearable ohne Display am Handgelenk, daneben ein Smartphone mit Gesundheits- und Fitnessdaten.

Apple denkt offenbar über einen grundlegenden Umbau seiner Wearable-Strategie nach. Nach Informationen von Bloomberg untersucht das Unternehmen unter anderem Geräte ohne Bildschirm, neue Displaygrößen und sogar eine runde Apple Watch. Beschlossen ist davon bislang nichts. Interessanter als die mögliche neue Form ist jedoch die Richtung dahinter: Sensorik, Gesundheitsdaten und KI könnten bei künftigen Wearables wichtiger werden als der Bildschirm am Handgelenk.

Apple experimentiert mit neuen Watch-Konzepten

Seit der Markteinführung der ersten Apple Watch im April 2015 hat Apple das Grundkonzept seiner Smartwatch beibehalten: ein rechteckiges Display mit abgerundeten Ecken, kombiniert mit Sensoren, Apps, Benachrichtigungen und Gesundheitsfunktionen.

Nun prüft Apples Industrial-Design-Team laut Bloomberg deutlich weitergehende Änderungen. Dazu gehören Wearables vollständig ohne Display sowie Smartwatches mit unterschiedlichen Bildschirmtypen, Größen und Formfaktoren. Auch ein kreisrundes Display wurde dem Bericht zufolge untersucht. Gerade letzteres soll allerdings nicht zwingend auf ein tatsächlich geplantes Produkt hindeuten.

Auch die Preisspanne der Produktfamilie könnte langfristig größer werden. Bloomberg zufolge erwägt Apple sowohl zusätzliche Premiumvarianten als auch günstigere Wearables. Welche dieser Ideen tatsächlich zur Marktreife gelangen, ist offen.

Für die erwartete Apple-Watch-Generation 2026 ist deshalb noch keine Revolution zu erwarten. Der Bericht geht vielmehr davon aus, dass Series 12 und Ultra 4 zunächst evolutionäre Weiterentwicklungen bleiben.

Bildschirmlose Wearables werden zur Alternative

Dass Apple überhaupt über ein Wearable ohne Display nachdenkt, kommt nicht aus dem Nichts. Der Markt für Geräte, die Gesundheits- und Fitnessdaten möglichst unauffällig im Hintergrund erfassen, wächst um neue Angebote.

Google positioniert den Fitbit Air als schlanken Tracker, der kontinuierlich unter anderem Herzfrequenz, Aktivität, Schlaf- und weitere Gesundheitsdaten erfasst. Die Auswertung erfolgt in Googles Health-Umgebung; für erweiterte Funktionen integriert Google zudem einen auf Gemini basierenden Health Coach.

Garmin hat mit dem CIRQA Smart Band im Juli 2026 ebenfalls einen Tracker ohne Bildschirm vorgestellt. Das Gerät soll Gesundheits- und Aktivitätsdaten rund um die Uhr erfassen und laut Hersteller bis zu zehn Tage Akkulaufzeit bieten. Die Daten werden über Garmin Connect ausgewertet.

Damit verändert sich das Konzept des Wearables: Statt eine verkleinerte Smartphone-Oberfläche ans Handgelenk zu bringen, können solche Geräte primär als dauerhaft getragene Sensorplattform dienen. Interaktion und Auswertung verlagern sich anschließend auf Smartphone, Cloud-Dienste oder KI-Assistenten.

KI könnte wichtiger werden als das Display

Auch Apples aktuelle Softwareentwicklung weist bereits in diese Richtung. Mit watchOS 27 will das Unternehmen Siri AI auf unterstützte Apple-Watch-Modelle bringen. Die neue Siri-Version soll natürlichere Dialoge ermöglichen und stärker auf persönlichen Kontext zurückgreifen können. Zusätzlich arbeitet Apple mit Smart-Stack-Vorschlägen und Gesten daran, Informationen stärker situationsabhängig bereitzustellen.

Damit könnte sich langfristig auch die Rolle des Displays verändern. Wenn KI relevante Informationen auswählt, Sprache einen größeren Teil der Bedienung übernimmt und Sensoren kontinuierlich Daten sammeln, muss ein Wearable nicht mehr zwangsläufig eine Vielzahl von Apps und Menüs dauerhaft auf einem Bildschirm darstellen.

Ein displayloses Apple-Gerät wäre deshalb weniger eine abgespeckte Apple Watch als vielmehr eine andere Geräteklasse: ein Sensor- und KI-Endpunkt innerhalb des Apple-Ökosystems. Dass Apple ein solches Produkt tatsächlich auf den Markt bringt, ist bislang allerdings nicht bestätigt.

Für Nutzer in Europa gibt es zudem eine wichtige Einschränkung. Apple hat angekündigt, dass Siri AI auf iOS, iPadOS und watchOS 27 in der Europäischen Union zunächst nicht angeboten wird. Als Grund nennt das Unternehmen regulatorische Fragen im Zusammenhang mit dem Digital Markets Act. Einen konkreten Starttermin für die EU gibt es derzeit nicht.

Warum die Entwicklung für Unternehmen interessant ist

Für IT-Entscheider ist weniger entscheidend, ob eine kommende Apple Watch rund, eckig oder komplett bildschirmlos wird. Interessanter ist die Verschiebung der Gerätearchitektur.

Wearables entwickeln sich zunehmend von kleinen Displays mit Apps zu kontinuierlich arbeitenden Sensorplattformen, deren Daten auf anderen Geräten oder mithilfe von KI ausgewertet werden. Damit gewinnen Themen wie Datenschutz, Identitätsmanagement, Gesundheitsdaten, Cloud-Anbindung und die Integration persönlicher Geräte in Unternehmensumgebungen weiter an Bedeutung.

Auch für Entwickler kann sich die Interaktion verändern. Anwendungen für Wearables könnten künftig weniger auf klassische Bildschirmoberflächen und stärker auf Sprache, Kontext, Benachrichtigungen, Gesten und automatisierte Aktionen setzen.

Gerade bei Gesundheits- und Fitnessdaten wächst gleichzeitig die Bedeutung einer klaren Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Informationen. Je stärker Wearables zu ständig aktiven KI- und Sensor-Endpunkten werden, desto relevanter wird diese Frage auch für Unternehmen.

Fazit

Noch ist die Apple Watch ohne Bildschirm lediglich eines von mehreren Konzepten, die Apple laut Bloomberg untersucht. Von einem bestätigten Produkt kann keine Rede sein.

Die Überlegungen zeigen dennoch einen größeren Trend: Der Wearable-Markt bewegt sich über die klassische Smartwatch hinaus. Google und Garmin bieten bereits Geräte an, bei denen Sensorik und Datenauswertung wichtiger sind als ein Display. Parallel bringt Apple mit watchOS 27 mehr KI-Funktionen an das Handgelenk.

Die spannendere Frage lautet deshalb möglicherweise nicht, ob Apple irgendwann das Display der Watch entfernt. Sondern ob die nächste Generation von Wearables überhaupt noch primär über einen Bildschirm definiert wird.

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